Hintergrundinformationen zur klassischen Homöopathie

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Die Entdeckung und Entwicklung der Homöopathie

Als praktizierender Arzt suchte Hahnemann schon bald fieberhaft nach Alternativen zu den oft grausigen und unnützen Rosskuren der Allopathie seiner Zeit. Obwohl seine Praxis gut besucht war, legte er aus Frustration über die Unzulänglichkeiten der damaligen Methoden sogar zeitweise seinen Beruf als Arzt nieder und widmete sich ganz der Übersetzung medizinischer Schriften, um seine vielköpfige Familie zu ernähren. Bei einer dieser Übersetzungen - Hahnemann beherrschte fünf Sprachen - stieß er auf Ungereimtheiten bezüglich des damals weitverbreiteten Anti-Malaria-Mittels Chinarinde. Um die nicht schlüssige Behauptung des Autors zu überprüfen, die Wirksamkeit der Chinarinde gegen Malaria ginge auf einen magenstärkenden Effekt zurück, unternahm Hahnemann seinen berühmten Chinarindenversuch, der heute allgemein als Urknall der Homöopathie angesehen wird (1790):

Er nahm, völlig gesund, über mehrere Tage hinweg "zweimal täglich jedesmahl vier Quentchen gute China" ein, worauf er jeweils für einige Stunden die typischen Symptome eines Malariakranken entwickelte. Ließ er die Einnahme sein, bildeten sich seine Symptome wieder zurück.
Das Ähnlichkeitsprinzip war (wieder)entdeckt!

Herstellung der Silicea (Kieselerde)

Sein Forscherdrang war geweckt, er und seine Schüler prüften im Laufe seines langen Lebens zahlreiche verschiedene Arzneien und notierten die beobachteten Symptome akribisch. Bis heute werden von Homöopathen auf der ganzen Welt solche Arzneimittelprüfungen durchgeführt.

Hahnemann, ein überaus genauer Beobachter und höchst sorgfältiger Mensch, entwickelte seine neue Methode ständig weiter und verfeinerte sie. Er verdünnte und verschüttelte bzw. verrieb seine Arzneien stufenweise und ihre Wirkung wurde nicht schwächer, sondern kräftiger und feiner. Diesen Vorgang, der die innewohnenden Kräfte der Ausgangsstoffe erst entfaltet, nannte er Potenzieren oder Dynamisieren. So konnte er auch hochgiftige Substanzen wie Arsen und die Tollkirsche (Belladonna) ohne schädliche Nebenwirkungen zur Heilung einsetzen. Ebenso wurden eigentlich unarzneiliche Substanzen wie Natrium muriaticum (Kochsalz) durch den Potenzierungsvorgang zu hochwirksamen Medikamenten.

Inzwischen kennen wir hunderte geprüfte homöopathische Arzneien. Sie stammen meist aus dem Pflanzen-, Tier- oder Mineralienreich, wie z.B. Calendula (die Ringelblume, siehe unteres Foto).
Rechts sind Utensilien zur Herstellung der homöopathischen Arznei Silicea (=Kieselerde) abgebildet: Der stark kieselerdehaltige Bergkristall als Ursubstanz, Milchzucker als neutraler Trägerstoff sowie Mörser und Pistill zum Verreiben.

Hahnemann schrieb neben einigen anderen Werken das "Organon der Heilkunst", welches er zeitlebens überarbeitete und ergänzte. Es gibt mittlerweile weltweit viele verschiedene Richtungen und Schulen der Homöopathie, doch alle beziehen sich auf Hahnemanns Hauptwerk als die unverrückbare Grundlage, die "Bibel" sozusagen, in der die Regeln der homöopathischen Therapie und die Vorschriften zur Arzneimittelherstellung und -prüfung genau beschrieben sind.

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Der Krankheitsbegriff in der Homöopathie

Nicht nur der Hintergrund der Arzneiverordnung, auch der Krankheitsbegriff selbst ist in der Homöopathie ein anderer als der herkömmliche.

Calendula (Ringelblume)

Wird z.B. ein Hautekzem mit kortisonhaltiger Salbe behandelt, so wird aus homöopathischer Sicht lediglich das Symptom unterdrückt, sozusagen das Warnlicht ausgeschaltet. Der Ausschlag verschwindet, der Patient scheint geheilt. Die Ursache der Erkrankung, das Ungleichgewicht im Organismus, bleibt von der Behandlung aber unberührt. Bei einer länger andauernden Unterdrückung besteht die Gefahr, dass die Krankheit sich auf einer anderen, häufig bedrohlicheren Ebene erneut zeigt, z.B. als Asthma. Wird nun diese neue Krankheitserscheinung lediglich mit Medikamenten, die die typischen Asthma-Symptome beseitigen oder lindern sollen, behandelt, bleibt ein weiteres Mal die eigentliche Ursache, das gestörte Gleichgewicht des gesamten Organismus, unbeachtet.

Ein Teufelskreis, der die Entlastungsversuche der geschwächten Lebenskraft, also die Symptome, die sie hervorbringt, in immer tiefere Schichten treibt, die Störung immer fester verankert: Der Mensch wird chronisch krank. Statt einer grundlegenden Ausheilung wechseln die Beschwerden im Laufe der Zeit lediglich die Organsysteme, meist leider in die ungünstige, weil gefährlichere Richtung (im obigen Beispiel von der Haut zu den Atmungsorganen).

Hahnemann sprach also nicht von einzelnen Krankheiten, gegen die man einzelne Mittel verordnet, sondern von einer Verstimmung der Lebenskraft, die sich in den jeweils beobachtbaren Symptomen zeigt. Die Stärkung dieser Lebenskraft ist die Aufgabe jeder klassisch homöopathischen Therapie.

Auch andere Heilweisen gehen von ähnlichen Annahmen aus, so spricht z.B. die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) von Krankheit als einer Störung des Energieflusses, des Chi (= Lebensenergie).

Weitere, sehr gut zusammengestellte Informationen zur Homöopathie, z.B. auch eine Literaturliste speziell für Patienten, ist auf der sehr umfangreichen, aber dennoch übersichtlichen Homepage von Heilpraktiker Thomas Mickler nachzulesen.

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